Weiterhin Ungewissheit in Sachen Ludwigsparkstadion

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt war am 1. Oktober 2019 angetreten, um sich als moderner Problemlöser zu präsentieren. Sein erster Dienstweg führte ihn zur Baustelle im Ludwigspark, wo der Umbau des Stadions vor sich hindümpelte.  Anderthalb Jahre sollte das Bauwerk längst fertig gestellt sein, doch schwere Baumängel und öffentlich ausgetragene Intrigenspiele bestimmen die Schlagzeilen fast genauso wie die sportlichen Leistungen des 1. FC Saarbrücken, der sich nach dem Wiederaufstieg in die Dritte Bundesliga als Team mit großem Potenzial präsentiert und sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt hat.

Der Spielbetrieb des Aufsteigers wurde allerdings in den Wintermonaten durch die baulichen Unzulänglichkeiten im Stadion stark gestört, denn die Rasenfläche war nicht bespielbar. Spiele mussten sehr kurzfristig nach Völklingen oder einmal sogar nach Frankfurt verlegt werden. Zwei weitere Partien mussten unmittelbar vor Spielbeginn abgesagt werden, weil sich der Schiedsrichter weigerte, die jeweilige Begegnung anzupfeifen. Dem 1. FC Saarbrücken entstanden durch das Gemurkse der städtischen Bauherren nicht nur erhebliche Kosten, sondern auch sportliche Nachteile. Der Traditionsclub hatte monatelang kein Heimspiel und musste dann in zwei englischen Wochen die Nachholspiele absolvieren.

Die Rasenprobleme werden auch kurzfristig nicht gelöst sein, denn die mit dem Bau der Rasenheizung beauftragte Firma lieferte trotz Nachfrist zum 31.3. nicht. Allen Beteiligten war dies schon lange klar. Nach eigenen Angaben hatte sich in den Monaten nach der „Einigung“ auf die Frist kein einziger Mitarbeiter der Fa. Kempf im Ludwigspark blicken lassen. Nun hätte man erwartet, dass Oberbürgermeister, der die Rasenangelegenheit als Chefsache tituliert hat, einen Plan B aus der Schublade zöge. Nach der Kündigung des Vertrages der Rasenbaufirma wurde zurückgerudert: „Man prüfe die rechtliche Situation“. Seit Wochen. 

Für den 1. FC Saarbrücken, der zum Erhalt der Drittligalizenz eine funktionierende Rasenheizung nachweisen muss, könnte das oberbürgermeisterliche Geduldsspiel mit drastischen Konsequenzen enden.

Als wenn das nicht schon reichen würde, möchte Conradt nun den Verein an den völlig aus dem Ruder gelaufenen Kosten für den Umbau des Stadions „beteiligen“. Die Miete soll im Vergleich zum „alten Ludwigspark“ sich fast verdoppeln. Auch das Catering, ein essentieller Einnahmensbestandteil für alle Vereine, will die Stadt darüber in eigener Hand behalten. Eine Vorstellung, die es bundesweit einmalig sein dürfte. Während der ersten beiden Spiele im „Park“, als jeweils 900 Zuschauer erlaubt waren, bekamen die Fans des 1. FC Saarbrücken einen Vorgeschmack auf das Catering à la Conradt: Warmes Bier und im Fettbad erhitzte „Rostwürstchen“ zu völlig überhöhten Preisen.

Mittlerweile munkelt man im Umfeld des 1. FC Saarbrücken, dass sich das Präsidium das dilettantische Wirken der Stadt nicht weiter ansehen möchten und nach Alternativen umschauen.

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