Deutschland steuert auf eine Nach-Merkel-Ära zu, aber das Rennen um die Nachfolge ist noch offen

Deutschland ist am Wochenende der Ära nach Angela Merkel einen weiteren Schritt näher gekommen: Die regierende Christlich-Demokratische Union hat einen neuen Vorsitzenden gewählt.

Armin Laschet setzte sich bei der Online-Wahl des Parteivorsitzes mit 521 zu 466 Stimmen gegen Friedrich Merz, einen konservativen Konkurrenten, durch. Grund dafür war die Coronavirus-Epidemie.

Deutschland steuert auf eine Nach-Merkel-Ära zu, aber das Rennen um die Nachfolge ist noch offen

Der nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Laschet gilt als Zentrumsmann, der die breite Mitgliederschaft der regierenden CDU – von Konservativen über Unternehmer bis hin zu Umweltschützern – vereinen kann. Er wird auch als Kandidat der Kontinuität gesehen, der Merkels pragmatischen Ansatz verfolgt.

Deutschland steuert auf eine Nach-Merkel-Ära zu, aber das Rennen um die Nachfolge ist noch offen

Laschets Sieg im Parteivorsitz macht ihn zu einem potenziellen Kandidaten für das Amt des nächsten deutschen Bundeskanzlers (aber das ist noch keine beschlossene Sache).

Worauf sollten Sie achten?
Laschet wird eine Entscheidung mit Markus Söder (Vorsitzender der bayerischen Schwesterpartei der CDU-CSU, der Christlich-Sozialen Union) treffen müssen, der in den kommenden Monaten Laschets gemeinsamer Kandidat für das Amt des Bundeskanzlers der CDU-CSU sein wird.

Das Ergebnis der Bundestagswahl am 26. September wird darüber entscheiden, ob der Kandidat Kanzler wird. Damit endet auch die vierte Amtszeit Merkels.

Laschet ist nicht der einzige Anwärter, aber Söder ist ein wichtiger Kandidat für das Kanzleramt. Er hat noch nicht gesagt, ob er kandidieren wird. Er ist immer noch eine beliebte Wahl.

Eine am Sonntag von Civey im Auftrag des Magazins Focus Online veröffentlichte Umfrage ergab, dass 43 % der Deutschen Soder als Kandidaten für die Nachfolge Merkels bevorzugen würden, während nur 12,1 % Laschet unterstützen. Jens Spahn (Gesundheitsminister), ein Verbündeter von Laschet, kam mit 8,7 % Zustimmung auf den dritten Platz.

Mujtaba Rahman, geschäftsführender Direktor, und Nas Masraff, Direktor für Europaforschung bei der Eurasia Group, erklärten am Samstag in einer Notiz, dass Laschet „einen harten Kampf zu bestehen hat, um seine Stärke, Führungsstärke und Entschlossenheit in den nächsten Wochen und Monaten unter Beweis zu stellen“.

Wir glauben immer noch, dass er der Spitzenkandidat ist (eine 55%ige Chance), weil er hart arbeiten wird und keine Kompromisse mit Soeder eingehen wird. Laschet hat die Geschichte auf seiner Seite. Die CSU hat schon zwei Mal keinen Kanzlerkandidaten aufgestellt. Beide Male hat sie bei Wahlen eine Niederlage erlitten.

„Wenn das so weitergeht, könnte sich die CDU-Basis oder die Fraktion ausrechnen, dass sie bei der Wahl im September unter der Führung von Soeder erfolgreicher sein wird. Das könnte Druck auf Laschet ausüben, damit er zurücktritt.“

Die Eurasia Group ist der Meinung, dass Soder ein 30%iger Kandidat für die Kanzlerkandidatur ist. Sie merkte an, dass Soder und Laschet „ziemlich gut miteinander auskommen“, so dass jede Entscheidung wahrscheinlich eher reibungslos als störend sein wird.

Regionalwahlen sind entscheidend
Nach mehreren wichtigen Landtagswahlen im März wird die endgültige Entscheidung, wer für die CDU-CSU kandidieren wird, voraussichtlich im Frühjahr fallen.

Jana Puglierin, Leiterin des European Council on Foreign Relations (ECFR) in Berlin, sagte am Montag gegenüber CNBC, dass die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg entscheidend dafür sind, welcher Kandidat aufgestellt wird.

Wenn die CDU diese Wahlen gewinne und Laschet den Rückhalt der Partei sicherstelle und die verschiedenen Lager innerhalb der Partei zusammenbringe, werde er der Kanzlerkandidat sein, sagte sie.

Puglierin erklärte, dass Söder als Kanzlerkandidat in Frage käme, wenn die Regionalwahlen nicht gut für die CDU verliefen.

Holger Schmieding, Chefvolkswirt von Berenberg, sagte am Montag bei CNBC, dass sich die Anleger keine Gedanken darüber machen sollten, ob Soder oder Laschet die Kandidaten für die Nachfolge Merkels sind. Stattdessen sollten sie sich des Risikos bewusst sein, dass die Konservativen nach Merkels Ausscheiden aus dem Amt nicht mehr an der Macht sein könnten und dass Deutschland eine grün-rot-rote Koalition bekommen könnte.

Dies würde zu einer Koalitionsregierung führen, die aus den Grünen und der Sozialdemokratischen Partei (derzeit eine Juniorpartnerschaft mit der CDU-CSU) sowie Die Linke bestehen würde.

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