Long-Covid: Die Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion wurden lange vernachlässigt

Die Pandemie überrumpelte uns alle. Somit ging es natürlich darum schnell und innovativ zu reagieren, um neuen Infektionen vorzubeugen, bestehende Infektionsherde einzudämmen und das Leben schon erkrankter Patient*innen zu retten bzw. diese so gut, wie nur möglich zu heilen. Bei diesem durchaus verständlichen und notwendigen Fokus auf die akuten Infektionen und deren Heilung, wurden aber auch die Langzeitfolgen einer COVID-19-Erkrankung strukturell vernachlässigt.

Long-Covid: Die Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion wurden lange vernachlässigt

Vor allem in den anfänglichen und sehr akuten Phasen der Pandemie, in denen die Gesundheitssysteme in Europa und überall auf der Welt in unterschiedlichem Maße überlastet waren, war eine Erforschung und medizinische Sensibilität in Bezug auf sogenannte „Long-Covid“-Fälle schlichtweg nicht möglich. Es ging ums Überleben.

Long-Covid: Die Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion wurden lange vernachlässigt

Symptome von Long-COVID sind vielfältig und hartnäckig zugleich 

Bis heute sind die Folgen von Long-Covid noch nicht annähernd ausreichend erforscht. Ganz zu schweigen von medizinischen Lösungen für Patient*innen, die COVID-19 zwar überlebt haben, aber dennoch weiterhin einen enormen Leidensdruck verspüren. Eine aktuelle Studie, die im wissenschaftlichen Journal PLOS One veröffentlicht wurde, stellt als Langzeitfolgen einer Corona-Infektion Atemnot und Schwierigkeiten beim Atmen, andauernde und unverhältnismäßige Erschöpfung und Müdigkeit- auch unter dem Fatigue-Syndrom bekannt, aber auch psychische Folgen, wie Depressionen, heraus.

Ein Viertel der befragten Studienteilnehmer*innen berichteten über langanhaltende Symptomatiken, die sie noch 6-8 Monate nach der eigentlichen Infektion verspürten. Trotz der relativ hohen Zahl an Personen, die unter diesen Symptomen leiden, ist das Phänomen noch sehr wenig erforscht. Auch die Allgemeinheit der Symptome, die bei etlichen Krankheiten bestehen, könnte hierzu beitragen. 

Long-COVID-Patient*innen müssen endlich erhört werden

Zu unterscheiden ist laut des Centers for Disease Control and Prevention (CDS)  ganz klar zwischen asymptomatischen Infektionen, die unbemerkt auftreten und wieder abklingen und symptomatischen Corona-Infektionen, die in den aller meisten Fällen nach wenigen Wochen gänzlich überwunden sind. Gerade die Heilung dieser Patienten, unter denen auch einige mit schweren und potenziell tödlichen Verläufen zu kämpfen hatten, stand deshalb natürlich im Fokus und da die Pandemie immer noch nicht vorbei ist, tut es das auch immer noch.

Nicht nur Ressourcen, wie Beatmungsgeräte, Masken und Infektionsschutzausrüstungen für das Personal wurde knapp, sondern auch das medizinische Personal selbst. Kliniken und Krankenhäuser waren chronisch überlastet, oft mussten Pfleger*innen mehrere Schichten nacheinander machen, da Kolleg*innen krank geworden waren. Diese Probleme wurden mit der Zeit und dem Abflachen der Inzidenzzahlen immer und immer besser, während die Erforschung von Long-COVID weiterhin ein absolut vernachlässigter Randbereich der Forschung und Medizin bleibt. Die Intensivierung der Forschung in diesem Bereich könnte tausenden Menschen endlich Hilfe zukommen lassen und ihnen das Gefühl geben endlich gehört zu werden.

Schweizer Studie zu Langzeitsymptomen nach einer COVID-19-Infektion

Auch eine Schweizer Studie erforschte die Langzeitsymptome von 431 bestätigten Corona-Infizierten des Kantons Zürich. Alle Teilnehmer erkrankte zwischen dem 27. Februar 2020 und dem 05. August 2020, waren mindestens 18 Jahre alt und verstanden die deutsche Sprache hinreichend. 26 % der Studienteilnehmer*innen gaben an, sich auch 6-8 Monate nach der akuten Infektion noch nicht gänzlich von dieser erholt zu haben. 89 % der Teilnehmer*innen gaben an einen symptomatischen Krankheitsverlauf durchgemacht zu haben.

19% der Studienteilnehmer*innen waren während ihrer Erkrankung, sogar für durchschnittlich 7 Tage in einem Krankenhaus. Die Symptome, die in den Ergebnissen der Studie genannt wurden, waren unter anderem auch Angstzustände, Depressionen (40% der Teilnehmenden), Atemnot (25 %), Gefühle von Erschöpfung (55 %) und Stress und stimmten somit, mit den Ergebnissen der ersten Studie überein. 40% der Teilnehmenden gaben sogar an, nach der vierwöchigen Periode der akuten Infektion, mindestens einmal ärztliche Hilfe in Bezug auf ihre COVID-19-Infektion aufgesucht zu haben.

Milo A. Punhan, Professor für Epidemiologie und öffentliche Gesundheit an der Universität von Zürich betonte dabei einen zentralen Punkt: Zu welchen psychischen und physischen Symptomen eine COVID-19-Infektion führt, ist hoch individuell und nicht absehbar. Rund ein Viertel der COVID-19-Patienten leiden an Long-COVID, während andere wieder vollständig geheilt sind. Doch auch unter diesen Patient*innen gibt es enorme Unterschiede. Viele beichten über andauende COVID-19-Symptome, andere wiederum von Müdigkeit, Angst oder Depression. Nur wenige leiden unter allen aufgezählten Symptomen, die meisten Personen würden nur ein oder zwei Symptome aufweisen.

Grenzen der Schweizer Studie 

Aktuell steckt die Forschung in dem Bereich von Long-COVID noch in den Kinderschuhen. Auch, wenn die Studie natürlich ein wichtiger und wertvoller Beitrag zur aktuellen Forschung ist, müssen noch viele weiter Studien zu diesem Forschungsgebiet folgen, um ein wirklich repräsentatives und reliables Bild der Problematik zu zeichnen. Die Teilnehmenden der Studie infizierten sich alle in der ersten Welle der Pandemie innerhalb der Schweiz. Damit bietet die Studie kein umfassendes Bild aller Infektionswellen bzw. der gesamten Pandemie.

Sehr problematisch ist auch, dass nicht klar ist, welche gesundheitliche Verfassung- psychisch und physisch- die Teilnehmenden VOR ihrer Infektion hatten. Auch die Rate an Angst und Depression der Erkrankten konnte nicht mit der, der Gesamtbevölkerung verglichen werden- schließlich ist klar, dass eine Pandemie dies im Allgemeinen auch bei Gesunden oder Nicht-Erkrankten erhöhen und auslösen kann. Somit ist klar, dass noch viel mehr getan und erforscht werden muss in diesem Bereich: Die Forschung muss sich in Zukunft auch aus Sicht des Infektionsexperten Dr. Schaffner, verstärkt auf die Gründe für die Entstehung von Langzeitsymptomen, sowie die Behandlung von Long-COVID Patienten fokussieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.