Libellenartenverluste und -gewinne in Deutschland

Deutschland ist aufgrund seiner Vielfalt an Lebensräumen und Klimazonen ein Hotspot für Libellen- und Libellenarten (Odonata) in Europa. Während viele neuere und meist klein angelegte Studien auf einen langfristigen Rückgang der Insektenpopulationen in verschiedenen Teilen Europas hindeuten, deuten Studien an Süßwasserinsekten – einschließlich Libellen und Libellen – darauf hin, dass das Vorkommen einiger Arten zugenommen hat. Forscher von iDiv, FSU und UFZ haben nun eine bundesweite Analyse des Vorkommens und der Verbreitung von Libellen und Kleinlibellen in Deutschland zwischen 1980 und 2016 vorgelegt. Dazu werteten sie über 1 Million Vorkommensdatensätze zu 77 Arten aus verschiedenen regionalen Datenbanken aus, die meisten davon wurden von Citizen Scientists gesammelt und von der Naturhistorischen Gesellschaft Deutschsprachiger Odonatologen (GdO) zusammengestellt.

Lebensraumverlust bedroht Arten stehender Gewässer

Die Forscher fanden sowohl Verluste als auch Gewinne, sind jedoch besorgt über den Rückgang von Arten, die stehende Gewässer nutzen. Ein Rückgang wurde bei 29% der Arten beobachtet, hauptsächlich bei kälteadaptierten Arten, die stehende Gewässer wie Moore und Niedermoore bevorzugen. Viele dieser Arten sind bereits vom Aussterben bedroht. Diese Arten sind auf kleine oder flache Gewässer angewiesen, die durch Dürren und niedrigere Grundwasserstände anfällig sind. „Diese Arten leiden stark unter Lebensraumverlust und -degradation. Hier stehen wir noch immer vor großen Herausforderungen für den Naturschutz“, sagt Erstautorin Dr. Diana Bowler von iDiv, FSU und UFZ.

Insgesamt deutet die Analyse darauf hin, dass kälteadaptierte Habitatspezialisten von stehenden Gewässern wahrscheinlich am anfälligsten für weitere Umweltveränderungen einschließlich des Klimawandels sind.

Demgegenüber zeigen die Studienergebnisse eine Zunahme des Vorkommens von 45% aller Arten, im Allgemeinen wärmeangepasste Arten. „Früher seltene Arten wie Crocothemis erythraea und Erythromma viridulum sind in ganz Deutschland deutlich häufiger geworden“, sagt Diana Bowler. „Diese Arten bevorzugen wärmere Temperaturen, daher ist ihre Zunahme in Deutschland höchstwahrscheinlich eine Folge des langfristigen Klimawandels.“

Unter den Gewinnern waren auch Fließgewässerarten, was den Naturschutzerfolg signalisiert, der durch besseres Umweltmanagement erreicht werden kann. „Die Zunahme dieser Arten spiegelt eine Erholung von den Auswirkungen der früheren Wasserverschmutzung und der fast vollständigen Zerstörung natürlicher Auen wider“, sagte Klaus-Jürgen Conze, Vorsitzender der GdO. In Deutschland wurden in den 1990er Jahren Projekte zur Verbesserung der Süßwasserqualität und Flusssanierung initiiert und im Jahr 2000 die EU-Wasserrahmenrichtlinie verabschiedet.

Ein Großteil der Daten wurde von Citizen Scientists und naturkundlichen Gesellschaften wie der GdO erhoben. „Unsere Studie unterstreicht den großen Wert dieser Überwachungsbemühungen für die Bewertung von Veränderungen im Vorkommen von Arten. Wir haben einige Anzeichen für einen beschleunigten Rückgang im letzten Jahrzehnt gefunden, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Bemühungen dieser Gesellschaften in Zukunft zu unterstützen“, sagte Senior-Autor Prof. Aletta Bonn vom UFZ, FSU und iDiv.

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