Übergewicht In Deutschland- sind die Deutschen dicker, als je zuvor?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. titelte 2017 schon „So dick war Deutschland noch nie“ und tatsächlich sind laut aktuellen Zahlen des RKI 67 % der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig. Erschreckende Zahlen, wenn man bedenkt, dass dies zwei Drittel aller Männer und mehr als die Hälfte aller Frauen sind und diese Zahlen voraussichtlich erst einmal nicht abnehmen werden.

Übergewicht In Deutschland- sind die Deutschen dicker, als je zuvor

Übergewicht In Deutschland- sind die Deutschen dicker, als je zuvor?

Die Gründe für Übergewicht sind nicht immer einfach zu durchblicken und „einfach Abnehmen“ ist aufgrund bestimmter Stoffwechselkrankheiten oder anderen psychischen oder physischen Störungen für viele damit nicht machbar. Dennoch ist und bleibt Übergewicht, vor allem wenn schweres Übergewicht vorliegt, ein maßgebender gesundheitlicher Faktor. Oft geht dieses mit ernst zu nehmenden Erkrankungen einher und kann damit letztlich auch tödlich sein.

Deutsche Diabetes Gesellschaft übt Kritik

Aufgrund der steigenden zahlen an übergewichtigen Menschen, steigt natürlich auch die Zahl an Diabeteserkrankten. Mittlerweile ist jeder zweite Deutsche Erwachsene übergewichtig und jeder zehnte leidet an Diabetes. Adipositas und Diabetes belasten das Gesundheitssystem damit natürlich ungemein.

Auch wenn jeder die Verantwortung für die eigene Gesundheit natürlich selbst übernehmen muss: Die Schuld soll hier nicht bei einzelnen Menschen gesucht werden, denn jede Krankheit ist natürlich ein komplexes, menschliches Schicksal und muss dementsprechend auch behandelt werden.

Die Verantwortung sucht die Deutsche Gesellschaft für Diabetes (DDG) deshalb auch bei der Politik. Zwar wird derzeit innerhalb der Regierung über ein Programm beraten, welches den steigenden Zahlen an adipösen Menschen entgegenwirken soll, dennoch halten die Expert*innen von der DDG dieses, bei weitem nicht für ausreichend. Vor allem Maßnahmen gegen den Diabetes Typ 2 müssen schneller und vor allem intensivierter ergriffen und durchgesetzt werden.

Die Rede ist auch von zusätzlichen politischen Maßnahmen, wie einer verbindlichen Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln- wie dies schon in anderen europäischen Staaten, wie bspw. Frankreich durchgesetzt werden konnte. Eine „gesunde Mehrwertsteuer“, die gesunde Lebensmittel steuerlich entlastet, könnte ebenso von Wirkung sein.

Der moderne Lebensstil ist schuld

Letztlich ist die gesamte Lebensweise eines modern lebend und arbeitenden Menschen darauf ausgelegt, das Risiko von Volkskrankheiten, wie Diabetes zu erhöhen: Die meisten Menschen üben vor allem sitzende Tätigkeiten aus und nach dem Bürojob bleibt oft nur wenig Energie und Zeit, um sich zu bewegen. Aber auch für eine ausgewogene, frische und gesunde Ernährung bleibt oft nur wenig Raum und die meisten bevorzugen deshalb ein Fertiggericht, oder das schnelle Essen in der Kantine.

Der im Vorstand der DDG sitzende Prof. Dr. med. Matthias Blüher, der Direktor des Helmholtz-Zentrums für Metabolismus-, Adipositas- und Gefäßforschung in München ist, sieht in genau dieser Ernährungs- und Lebensweise ein hohes Risiko. Doch nicht nur Diabetes, sondern insgesamt mehr als 60 andere Krankheiten stehen in Zusammenhang zu Übergewicht. So stehen verschiedene Krebsarten, aber auch Schäden des Rückens oder Herzinfarkte und Schlaganfälle in engem, korrelativem Zusammenhang zu Übergewicht.

Der verursachte Schaden durch Übergewicht und Diabetes

Im Vordergrund steht natürlich der menschliche Schaden. Diesen möglichst gering zu halten, ist ein dringendes Anliegen der DDG- appelliert werden soll an die Selbststeuerung der Menschen, aber auch an die deutsche Regierung. Zu guter Letzt entstehen durch gesundheitliche Schäden natürlich aber immer auch materielle bzw. finanzielle Schäden. Dies ist nicht nur durch Kosten von Rettungseinsätzen und Krankenhausaufenthalten zu erklären, sondern auch durch häufigere Fehltage, Arbeitsunfähigkeit oder das vermehrte Antreten von Frührente.

Allein gesundheitliche Behandlung und Maßnahmen, die im direkten Zusammenhang mit Übergewicht stehen, kosten die deutschen Gesundheits- und Sozialkassen jährlich mehr als 30 Millionen Euro. Weitere 60 Millionen Euro fallen für die indirekten Kosten von Adipositas an. Insgesamt sind dies 90 Millionen Euro, die zu einem großen Teil vermeidbar wären. Wichtig sind regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene, gesunde Ernährung.

Doch dies ist uns wahrscheinlich allen schon ab dem Grundschulalter klar- es wird den meisten von uns schon ab dem Kindesalter an eingetrichtert. Wir alle wissen, dass mehr Gemüse und weniger Schokolade theoretisch gesund wären. Trotzdem halten sich die wenigsten daran. Denn „Einfach Abnehmen“ ist schwierig, wenn man bedenkt wie komplex die menschliche Psyche ist. Essverhalten erscheint zwar wie etwas sehr Oberflächliches, doch tatsächlich ist es verknüpft mit Glaubenssätzen, Traumata und individuellem Selbstwertgefühl.

Auch wie schnell der jeweilige Stoffwechsel arbeitet, wie es um unser Hormonsystem bestellt ist und viele weitere Faktoren, beeinflussen wie leicht oder schwer es uns fällt, abzunehmen. Deshalb müssten laut DDG nicht nur mehr Präventivmaßnahmen ergriffen werden, sondern auch im Zuge eines multimodalen Therapiemodells, Verhaltenstherapie, Ernährungsberatung und Bewegung miteinander vereint werden.

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